28 Oktober 2019

salvea , Urlaub

— geschrieben von Andreas Steinborn, Krefeld, Abtlg. POE

Radmarathon in Rinteln an der Weser

Morgens früh um fünf Uhr klingelt der Wecker. Es ist noch dunkel draußen. Nach der üblichen Morgenroutine geht’s aufs Rennrad, noch mit Licht, da es gerade anfängt zu dämmern und es nebelig ist.

Start der Großen Weserrunde ist für mich um 06:35 Uhr, nachdem ich mich in die Starterliste eingetragen habe.

Kurz nach Sonnenaufgang geht es raus aus der Stadt. Die Sonne kann sich noch nicht richtig durchsetzen. Haut und Kleidung sind nass vom Nebel. Aber die Muskeln werden langsam warm und es geht weseraufwärts durch die Felder auf schmalen Wirtschaftswegen.

In Hameln, am Ende der Weserpromenade, ist kein Streckenschild angebracht, aber der Rattenfänger von Hameln weist mit seiner Flöte den Weg aus der Stadt. Eine nette Idee der Organisatoren.

Weiter geht’s in Richtung Bodenwerder. Dort empfängt uns der Baron von Münchhausen, nicht auf einer Kanonenkugel sitzend sondern auf einem Holzfahrrad. Nach 52 km die erste Station mit Essen und Getränken.

Weiter durch die Rühler Schweiz, an einer Umleitung ein Anstieg mit bis zu 13% Steigung. Ich kann gar nicht so schnell atmen, wie ich Sauerstoff brauche.

Nächster Halt ist Holzminden nach 75 km, nur kurz das Carnet du Route (Streckenbeschreibung) abstempeln lassen und dann wieder auf die Strecke, solange die Temperaturen noch einigermaßen erträglich sind.

Wendepunkt für mich ist in Beverungen. Hier geht es über die Weser. Das Fahrrad muss geschoben werden, da die Brücke neu gebaut wird und nur eine Holzkonstruktion für Fußgänger ist. Die ersten 100 km sind rum. Am alten Fährhaus den Stempel abholen, dann ein kurzer Abstecher zu meiner Mutter, die in Beverungen wohnt und rein zufällig ein paar Nudeln mit Sauce fertig hat. Kohlenhydrate sind sooo wichtig J

Nach dem Essen wieder aufs Rad. Ab jetzt wird es anstrengend. Die Temperaturen haben die 30 Grad Marke erreicht. Durch die Luftfeuchte sind das gefühlte 33 Grad.

Entlang des Weserradweges geht es über Höxter, an Holzminden vorbei nach Heinsen. Hier werden wir nach 135 km von Aschenputtel begrüßt. Auch hier nur kurz Stempel abholen, Trinkflaschen auffüllen und weiter geht’s.

Bei Kilometer 145 zweigt der Weg ab in die Ottensteiner Hochebene. Permanente Steigung über acht Kilometer - von 90 Meter über NN auf 380 Meter über NN mit bis zu 10% Steigung in praller Sonne -kosten mich fast meine gesamten Getränkevorräte. Dafür entschädigt die nachfolgende Abfahrt, die ein bisschen Kühle auf die Haut bringt.

Letzter Stopp in Aerzen nach 170 Kilometern. Noch einmal die Trinkflaschen auffüllen, lauwarme Cola in den Körper schütten, kurz nach dem weiteren Streckenverlauf fragen. „Kommt nur noch ein kleiner Hügel“. Von wegen, noch mal drei Kilometer Anstieg. Ich komme an meine Grenzen. Kurzer Stopp im Schatten, trinken und dann weiter. Wird ja nicht besser. Endlich Rinteln, noch zwei Kilometer, meine Oberschenkel machen langsam zu.

Dann im Ziel nach 200 Kilometern mit 1.688 Höhenmetern in 08:33 Stunden. Maximale Temperatur 35 Grad. Im Schatten. Sechs Liter Flüssigkeit waren immer noch zu wenig.

Müde aber zufrieden nehme ich meine Urkunde und ein kaltes, alkoholfreies Bier in Empfang und atme erstmal durch.

Zum Schluss muss ich mich nochmal aufs Rad quälen und 1,6 km zum Campingplatz radeln. Das tut dann doch weh in den Beinen. Duschen, essen und schlafen. Angeblich wurde nebenan Geburtstag gefeiert. Hab ich nichts von mitbekommen.