10 Dezember 2018

Urlaub , Sport und Fitness

— geschrieben von Johannes Wadle, salvea Idar-Oberstein

Was in einer Hütte bei 200 Wanderern und 2 Duschen so passiert!

Anekdoten...

Am nächsten Tag geht es mit der ersten Gondel von Zams aus zur Venetgipfelhütte. Mit unseren Rucksäcken quetschen wir uns in die Bahn und fahren hoch. Denken wir. Nach etwa der Hälfte des Weges kommt die Bahn zum Stillstand. Keiner weiß warum. Wir machen dumme Sprüche – auch um das etwas mulmige Schweigen zu überdecken, während wir im Wind hängen. Vielleicht muss er noch einen entgegenkommenden ICE vorbei lassen. Wurde in der Bergstation der Strom nicht bezahlt? Wir kennen die Problematik ja aus jüngster Vergangenheit und wissen aus der Kemptener Hütte, wohin es führen kann wenn man nicht genügend passendes Kleingeld parat hat.

Nach einiger Zeit wird dem Gondelfahrer die Pseudo-Coolness der Flachlandtiroler zu blöd. Er hat die Gedanken erraten und macht kurzerhand das Radio an: Schallendes Gelächter in der Gondel.

Es geht bald danach weiter.

Resi

Nach dem Aussteigen führt uns ein Panoramaweg zwei bis drei Stunden den Bergrücken und –hang entlang. Der Weg ist gut zu gehen – bis er unwegsam wird, weil zwei Kühe im Weg liegen.

Wir erfahren bei unserer folgenden Mittagsrast, dass Resi dafür verantwortlich ist, dass die Almgäste von ihrer hervorragenden Buttermilch trinken können. Da muss natürlich auch die eine oder andere Vergünstigung drin sein, freie Platzwahl auf der Alm zum Beispiel.

Beide Protagonisten waren ansonsten jederzeit sehr zuvorkommend und haben der Veröffentlichung ihres Bildes nach der neuen EU-Datenschutzverordnung zugestimmt. Danke schön dafür an dieser Stelle.

„Mountainbike“ wörtlich genommen

Nach dem Abstieg nach Wenns und einem Bustransfer im Tal zum nächsten Aufstieg geht es hoch zur Braunschweiger Hütte auf 2759 Meter. Abermals eine sportliche Herausforderung.

Der Einstieg in den Weg ist imposant: Ein Wasserfall stürzt unter großem Getöse den Berg herunter, wir laufen an ihm vorbei und bekommen reichlich von seiner Gischt ab. Die Abkühlung ist uns sehr willkommen.

Es geht von nun an steil den Berg hinauf. Grobe Felsbrocken wechseln sich ab mit Passagen, an denen man ohne Stöcke mit der Hand am Sicherungssteil oder am Fels besser vorankommt. Deshalb (man kann es ahnen) existieren abermals von dieser Passage keine Bilder, weil wir es vorgezogen haben die Hände zum Vorwärtskommen zu benutzen.

Während es weiter den Berg hoch geht und wir vollauf mit dem Weg beschäftigt sind schreit plötzlich eine Stimme von hinten: „He Leute, schaut Euch mal den [gelöscht, die Redaktion] da oben an. Der schleppt sein Fahrrad auf den Berg!“

Tja, was soll man sagen. Es entsprach der Wahrheit.

Nach einiger Zeit erreichen wir den „Mountainbiker“, der ziemlich abgekämpft aussieht, auf über 2600 Metern Höhe. Es entbehrt nicht der Ironie, dass sich in unserer Gruppe mehrere Mitarbeiter eines großen Logistikdienstleisters befinden (Ja genau die, die Ihnen die Päckchen bringen wenn Sie was im Internet bestellt haben). Kurzerhand erklären sie es unter allgemeinem Gelächter zur Herausforderung, das Mountainbike auf den Berg zu liefern und helfen dem armen Tropf beim Aufstieg. Ob es ihm gelungen ist dort oben zu fahren oder ob er es wieder im Internet verkaufen musste – „Selbstabholung ab Braunschweiger Hütte“ – entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Wenig Duschen, trockener Humor

Wir sind ziemlich stolz, als wir auf über 2700 Metern Höhe ankommen und wollen vor dem Abendessen noch schnell duschen. Problem: Zwei Duschen für alle Wanderer. Männlein wie Weiblein stehen in einer Schlange vor den Türen (mit Handtuch, Duschgel und Münzgeld – wir erinnern uns).

Ein Ehepaar aus den Niederlanden steckt die Köpfe um die Ecke und peilt die Lage vor den Duschen. Sie schauen noch etwas länger. Und länger. Schließlich muss die irritierte Frage eben doch heraus: „Entshuldigung, dushe Männa uun Vraue tsusamme?!?“ Ein ebenso verschmitzter wie verschwitzter Wandersmann schaut sich das Ehepaar kurz an: „Ähm ja. Ist okay. Können wir machen.“

Die Gäste in anderen Teilen der Hütte fragen sich zu diesem Zeitpunkt, was es mit dem schallenden Gelächter aus dem Duschbereich auf sich hat.

Nach einem reichhaltigen Abendessen fallen wir endlich in die Betten. In unserem kleinen Sechsbett- Zimmer wird während der Nacht das Fenster offen bleiben: Bergluft, kühl und klar.

Nicht ganz so lustig

Am nächsten Morgen klingelt wieder um 5:30 Uhr der Wecker. Es geht hoch auf das Pitztaler Jöchel, mit knapp 3000 Metern der höchste Punkt der Tour. Ich schnaufe wieder wie eine Dampflok, aber nach einer guten Stunde sind wir auf dem Jöchel und können beim Blick zurück nur noch ganz klein die Braunschweiger Hütte erkennen. Es wird eifrig fotografiert.

Während wir fotografieren gibt es einen heftigen Gewitterdonner. Das Einzige was irritiert ist, dass der Himmel blau ist und kein Gewitter da. Schnell stellt sich heraus: Es ist leider kein Gewitter. Sondern ein Felssturz. Auf der anderen Seite des Jöchels. Genau in dem Bereich, durch den der Wanderweg hindurchführt. Durch das heiße Wetter tauen derzeit Böden auf, die normalerweise permanent gefroren sind. Das kann dazu führen, dass sie kleinere oder größere Steine freigeben.

Unser Abstieg erfolgt konzentriert. Alles geht gut. Keine weiteren Steinschläge.

Sollte dieser Wettertrend anhalten könnte es sein, dass künftig vereinzelt Wanderrouten verlegt werden. Ob diese dann statt übers Pitztaler Jöchl über den Rettenbachferner führen oder über eine andere Route werden Menschen entscheiden die in dieser Hinsicht kompetenter sind als wir Flachlandtiroler. Mir fällt ein Spruch ein, den ich in der Memminger Hütte gelesen habe: „Die Alpen sind kein Vergnügungspark für Freizeitjunkies.“ Es ist gut, das im Hinterkopf zu behalten, damit es noch lange Spaß macht.

An Wandergelegenheiten wird es jedenfalls auch in Zukunft nicht mangeln. Das System der Europäischen Fernwanderwege umfasst 60.000 Kilometer. (Kann man ja mal ne Umleitung einbauen. Platz genug ist ja da.) Schon mal viel Spaß beim Erwandern der ersten 10.000 Kilometer!

Reisen bildet

Wir kommen nach dem Abstieg und einigen weiteren Wanderkilometern gesund und munter in Zwieselstein an.

Der Tag hält jedoch noch eine unerwartete Horizonterweiterung bereit: Wussten Sie, was ein Tiroler Bauerntequila ist (etwas, das ebenso zünftig ist wie die Landschaft)? Kren (Meerrettich) und Speck zusammen mit einem Obstler. Wohl bekomms.

Warum wir nach dem Übergang von Österreich nach Italien von Kühen und Ziegen gedisst wurden – diese Frage kann ich Ihnen auch nächste Woche leider nicht beantworten …

Ein Teil des Bildmaterials für diesen Blog wurde uns freundlicherweise durch den Fotografen Andi Schwing zur Verfügung gestellt. Viele Dank! Mehr von ihm finden Sie auf Instagram unter andi.schwing.

Resi mit Kollegin