19 November 2018

Urlaub , Sport und Fitness

— geschrieben von Johannes Wadle, salvea Idar-Oberstein

In 7 Tagen zu Fuß über die Alpen ... unser Kollege Johannes Wadle wagt das Abenteuer. (Teil 1)

Unser Kollege Johannes Wadle, Psychologe aus dem salvea Standort in Idar-Oberstein, hat es gewagt: In 7 Tagen über die Alpen auf dem Wanderweg E5 von Oberstdorf bis Meran. Was er dabei erlebt hat, erfahren Sie in unserer sechsteiligen Blog-Story – jeden Montag eine neue Folge!

 

Wie alles begann: Am Anfang war die Fernbedienung

Irgendwann im Jahr 2017: Im Abendprogramm läuft die Reportage einer Moderatorin, die mit ihrer Filmcrew und mehreren Familien eine Woche lang zu Fuß die Alpen überquert. Tolle Sache, denke ich mir. Müsste man auch mal machen. Sind bestimmt bleibende Eindrücke… Doch ich vergesse die Reportage wieder.

Einige Wochen später läuft die Reportage schon wieder. Hmmm, müsste man echt mal machen. Ich erzähle einem Kollegen davon. Und vergesse es wieder.

Zwei Wochen später. Mein Kollege Christian und ich treffen uns an der Kaffeemaschine. Wir sprechen über das Wandern in den Alpen. Unsere einhellige Meinung: Jaja, müsste man echt mal…. Direkt danach hilft mir das Schicksal auf die Sprünge.

 

Reflektionen über das Leben

Der erste Patiententermin am Nachmittag: Der Patient ist wegen einer orthopädischen Symptomatik in Reha, allerdings erzählt er nach einiger Zeit, dass er an einer unheilbaren Krankheit leide. Sie sei erblich bedingt und es gebe keine Therapie dafür. Man könne nicht genau vorhersagen, wann sie sich wie schnell verschlimmere – jedoch schätzt unser Patient, dass ihm noch fünf bis zehn Jahre zu leben bleiben. Wir sprechen darüber wie er diese Zeit für sich möglichst bedeutungsvoll nutzen kann.

Dabei rutscht mir der Satz heraus, dass kein Mensch weiß wie lange er lebt und deshalb gut beraten wäre, seine Zeit möglichst mit Dingen zu verbringen, die ihm wirklich etwas bedeuten. Dass eigentlich der einzige Unterschied zwischen ihm und anderen Menschen darin besteht, dass er weiß, dass ihm keine achtzig Jahre garantiert sind. Während viele andere es ignorieren. Er lächelt und meint, dass da was Wahres dran sei und er das so noch nicht gesehen habe. Wir verabschieden uns nach einem intensiven, längeren Gespräch.

Als die Tür ins Schloss fällt kommt mir der Gedanke: Wenn Du es jetzt nicht machst ist Dir echt nicht zu helfen … .

 

Kann ja wohl so schwer nicht sein

An einem der nächsten Wochenenden folgt die erste Wanderung zu Testzwecken. Heimischer Wald, ebene Strecke: Ein Desaster. Ein lustiges, aber nichts destotrotz ein Desaster.

Ich habe probeweise meine Stiefel einer bekannten Outdoor-Marke angezogen, die ich sonst im Winter verwende wenn Schnee liegt. Nach 12 Kilometern Gesamtstrecke tut mir das rechte Sprunggelenk weh, die Schulter- und Nackenmuskulatur ist vom Gewicht des Rucksacks völlig verspannt und ich bin hundemüde. Nach der „Wanderung“ ist erstmal ein Schläfchen fällig.

Meine Frau ist amüsiert. Ich wusste, dass sie in ihrer Kindheit viel gewandert ist, bin aber vom Ausmaß doch überrascht. Alles unterhalb von 15 Kilometern sei für sie keine Wanderung, sondern Spazierengehen. Wanderungen bewegten sich für sie zwischen 20 und 25 Kilometern, gegebenenfalls mehr. Sie hat keine Probleme am Fuß und muss ihr Ohr auch nicht so dringend ans Kopfkissen pressen wie ich.  Alpen, wir kommen! Ich wahrscheinlich mit dem Bus oder der Zahnradbahn…

Wir hatten keine Ahnung, wie diese Aktion weitergehen sollte. Auf die Antwort mussten wir ein Jahr warten. Sie erfahren es schon nächsten Montag. Bis dahin!