27 Juni 2019

Gesund leben

— geschrieben von Johannes Wadle, salvea Idar-Oberstein

Eine Geschichte zum Nachdenken

Eine Grundschulklasse aus der Nähe von Schwäbisch Hall schreibt dem Chefredakteur von ARD-aktuell: Sie wünschen sich, dass sie gelegentlich auch mal gute Nachrichten in der Tagesschau hören. Manche von Ihnen würden aufgrund der ständigen schlechten Nachrichten bereits schlecht schlafen.

Es gehe ihnen nicht so sehr um die Berichterstattung sondern darum, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Sie schreiben unter anderem „Vielleicht strengen sich dann mehr Leute an, Gutes zu tun, damit Sie davon berichten“.

Der Chefredakteur antwortet den Kindern - kann ihnen aber leider keine Hoffnungen machen. Die Kriterien für die Entscheidung, ob ein Thema es zur Veröffentlichung schafft, bestünden darin, dass

1. der Inhalt der Nachricht eine Abweichung von der Normalität darstelle und

2. es plötzlich geschehe; vom einen Moment auf den anderen.

Alleine aus diesen Gründen würden es viele positive Nachrichten nicht zur Veröffentlichung schaffen. Außerdem sei nicht so leicht zu klären, was denn eine gute Nachricht sei. Der Sieg einer Fußballmannschaft sei für deren Fans eine gute Nachricht, für die Anhänger des Verlierers eine schlechte. Die Antwort löst eine kontroverse Diskussion aus: Innerhalb kurzer Zeit werden fast 200 Kommentare dazu gezählt.

Ist es wirklich so, dass aus Gründen der Objektivität gute Nachrichten immer schlechte Karten haben müssen? Wir meinen, dass das kein Widerspruch sein muss.

Im November letzten Jahres erschien eine Nachricht, die allen diesen Kriterien gerecht wird:

  1. Es gab ein plötzliches Ereignis.
  2. Der unerwartete Ausgang der Geschichte berührt viele Menschen positiv, ohne dass es Verlierer gab.
  3. Was geschah, war ganz und gar nicht normal.

Sind Sie interessiert?

Vielleicht erinnern Sie sich ja noch an die Waldbrände in Kalifornien, von denen im November des letzten Jahres zu hören war. Inmitten dieser Waldbrände geriet einen Krankenpfleger namens Allyn Pierce.

Er war, wie so viele andere, mit seinem Auto auf dem Weg durch die brennende Stadt Paradise, als ihm der Weg versperrt und er von den Flammen eingeschlossen wurde. Pierce war bereits dabei mit seinem Leben abzuschließen und eine Nachricht für seine Angehörigen in sein Handy zu sprechen, als plötzlich und unerwartet ein Bulldozer vor ihm auftauchte und ihm in letzter Minute einen Fluchtweg frei räumte.

Das alleine wäre schon eine schöne Randnotiz innerhalb der vielen schlechten Nachrichten gewesen. Doch es ging weiter.

Pierce flüchtete nicht einfach, sondern fuhr zurück zum Krankenhaus, um denen zu helfen, die sich selbst nicht helfen konnten. Als das Krankenhaus Feuer fing, evakuierten er und seine Kollegen die Patienten auf den Hubschrauber-Landeplatz. Alle überlebten, wie die New York Times später berichtete. Als er ein Bild seines von den Flammen ziemlich beschädigten Geländewagens auf seinem Instagram-Account postete, fügte er hinzu, dass der Wagen an diesem Tag sein Leben gerettet und ihn gleich zweimal in Sicherheit gebracht habe.

War das das gute Ende der Geschichte? Nein.

In die große Anteilnahme seiner Bekannten auf seinem Social Media-Account mischte sich ein Post des Fahrzeugherstellers. Er las sich wie folgt:

„Wir haben demütig davon erfahren, dass Sie Ihr Leben und Ihr Fahrzeug eingesetzt haben, um Menschen in Sicherheit zu bringen. Machen Sie sich keine Sorgen um das Fahrzeug. Wir fühlen uns geehrt, Ihnen ein Neues zu besorgen.“

Mit solchen Neuigkeiten geht man abends doch gleich ein bisschen besser schlafen.

 

(Quellen liegen der Redaktion vor)